Archiv für Januar 2016

Kampf gegen Gewalt an Frauen, Sexismus und Rassismus – in Köln und auf der ganzen Welt!

Presseerklärung 8. März-Bündnis zur Silvesternacht in Köln

Eine große Gruppe von Männern, zum Teil alkoholisiert, hatte in der Silvesternacht Frauen sexuell belästigt und misshandelt, teilweise in Verbindung mit Diebstahl und Raub. Hunderte Frauen haben sich mittlerweile in Köln bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet.
Auch nach mehrfachem Ansprechen durch betroffene und offensichtlich verstörte Frauen, griff die Polizei nicht ein. Einige Frauen berichteten davon, dass sie weggeschickt wurden, mit dem Hinweis, auf ihre Sachen jetzt aufpassen zu sollen.
Vielen sind die Vorfälle am Dom ein gefundener Anlass, um ihre rassistische und fremdenfeindliche Hetze zu verbreiten, Gewalt an Frauen als hauptsächliches Problem von „Asylanten“ darzustellen und nicht als prinzipielles Problem auch in Deutschland.
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat nach den sexistischen Gewaltübergriffen mit Verhaltenstipps für Empörung gesorgt. Reker sagte auf einer Pressekonferenz, dass Frauen eine Armlänge Abstand zu Fremden halten sollten. Wörtlich sagte sie auf die Frage einer Journalistin, wie man sich als Frau besser schützen könne, es gebe „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge ist.“

Bei der Polizei, Politikern, Zeitschriften wie FOCUS, und der SÜD DEUTSCHEN finden sich die gleichen Argumente. Damit fördern sie die gesellschaftliche Verharmlosung von Gewalt an Frauen – egal durch wen: durch Migranten oder Deutsche! Sie machen damit die Frauen mitverantwortlich für sexuelle Übergriffe.
Anstatt die gesellschaftliche Diskussion über Gewalt an Frauen in den Mittelpunkt zu rücken, wird auf dem Rücken insbesondere der Flüchtlinge eine rassistische Hetze betrieben!

Gewalt gegen Frauen: ein alltäglicher und „Normalzustand“ auf der ganzen Welt – auch in Deutschland!

In Deutschland hat jede dritte Frau im Alter zwischen 15 und 65 Jahren Erfahrungen mit sexueller, psychischer oder körperlicher Gewalt gemacht.
Zum Beispiel mit: Bedrohungen, Einschüchterung, „Mobbing“, Isolation, Schlägen, Schubsen, Treten und andere Formen körperlicher Gewalt; Belästigung, zum Geschlechtsverkehr oder zu bestimmten Sex-Praktiken „überreden“, Vergewaltigung und andere Formen sexualisierter Gewalt. All dies erleben Frauen auch heute noch regelmäßig, täglich und multipel. Die angewandte Gewalt ist ein Mittel der Machtausübung, Interessensdurchsetzung und Herrschaftssicherung über die Frau ein Ausdruck patriarchaler Denkstrukturen! Ohne die kann auch der Kapitalismus nicht überleben!

Viele Flüchtlingsfrauen sind aus ihrem Land geflohen, um der alltäglichen Gewalt zu entkommen. In Deutschland gelten ihre Herkunftsländer jedoch als „sicher“, da Gewalt gegen Frauen als Fluchtgrund in der Praxis oft nicht anerkannt wird. Oder ihre Länder werden einfach zu sicheren Herkunftsländern um etikettiert- auch das ist eine Verharmlosung von Gewalt an Frauen.
Unser Kampf gegen patriarchale Denkstrukturen in jedem Gesellschaftssystem muss auch nach dem heutigen Tag weitergehen. Der Kampf gegen Sexismus ist alltäglich und wehrhaft!

Wir dürfen Frauen nicht als Opfer sehen, die sich beschützen lassen müssen, sondern lernen, uns selbst zu verteidigen.

Brecht das Schweigen und macht euch gerade gegen Gewalt an Frauen und rassistische Hetze stark!
Gewalt an Frauen hat System – dem können wir nur organisiert und weltweit verbunden begegnen.