Archiv für Februar 2015

Aufruf zum Frauenkampftag 2015

Frauenkampftag gegen Kapital, Militarismus und Patriarchat
Sexualisierte Gewalt und Ausbeutung an Frauen stoppen!

Der 8. März als internationaler Frauenkampftag steht weltweit für rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung, für das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Die Wurzeln des 8. März liegen in den Frauenkämpfen am Anfang des letzten Jahrhunderts.
1910 rief die Kommunistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin dazu auf, jährlich einen internationalen Frauenkampftag durchzuführen. Seitdem gehen jedes Jahr Millionen Frauen weltweit auf die Straßen im
Kampf gegen Kapitalismus, Militarismus und Patriarchat.

Der Kampf muss weiter gehen!
Frauen sind bisher nicht wirklich gleichberechtigt, auch nicht in jenen Ländern wo Gleichberechtigung auf dem Papier steht.Um dem Übel Sexismus und Patriarchat an die Wurzel zu gehen, muss um gesellschaftliche Veränderungen gekämpft werden. Der Kampf für ein Leben ohne Diskriminierung und sexistische Erniedrigung, Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen und Kinder ist auch immer ein Kampf gegen die jetzige Gesellschaftsform, den Kapitalismus. Dieses System trägt maßgeblich zur Aufrechterhaltung dieser strukturellen Gewalt bei.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Bei gleicher Arbeit bekommen Frauen nach wie vor weniger Lohn als Männer. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik erhielten Frauen in der BRD in den letzten 19 Jahren durchschnittlich 23 Prozent weniger Stundenlohn als Männer. Es sind vor allem Frauen, die in Minijobs und unsicheren Teilzeitarbeitsplätzen Geld verdienen müssen, da sie sich zu gleich nach wie vor um Kinder und Haushalt kümmern sollen. Besonders Migrantinnen haben in Deutschland oft keine andere Wahl, als unterbezahlt im
Reinigungs- und Pflegesektor zu arbeiten. Sie arbeiten meist ohne Sozialversicherung. An gewerkschaftliche Vertretung, mit der zumindest ein Minimum an Rechten eingefordert werden könnte, ist gar nicht zu denken. Gerade in Krisenzeiten werden diese Stellen meist zuerst gestrichen, so dass Frauen oft als doppelte Verliererinnen aus der Krise hervor gehen.

Kampf gegen Gewalt und Ausbeutung an Frauen
Weltweit erfährt mindestens eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens (sexualisierte) Gewalt. Auch in sogenannten „fortschrittlichen“ Ländern wie Deutschland ist Gewalt an Frauen weit verbreitet. Nur wird diese hier meist als Familiendrama oder Eifersucht verharmlost: Meistens erleben Frauen die Gewalt innerhalb ihrer Familie, z.B. durch ihren Partner. Von den angezeigten Tätern wird nur ein Bruchteil verurteilt. Der Großteil der betroffenen Frauen zeigt die Täter jedoch aus Angst oder Scham erst gar nicht an. Auch die wenigen Schutzräume sind in Gefahr. In der Krise wurden zwar Banken und Konzerne gerettet, aber das Budget für Einrichtungen wie Frauenhäuser gekürzt. Sie dienen nicht dem Profit, sondern „nur“ den Bedürfnissen und dem Schutz von Menschen und sind für den Staat deshalb nachrangig.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter: Demütigung, soziale Kontrolle, sexualisierte Belästigung, Angriffe und Vergewaltigung. Lesbische Frauen und Menschen, die nicht ins herteronormative Weltbild passen, erleben nach wie vor weltweit Diskriminierung und Verfolgung.

Im Interesse des Kapitalismus und des Imperialismus Krieg führende Staaten setzten Vergewaltigungen nach wie vor als Waffe für ihre Interessen ein.
Der Angriff auf den weiblichen Körper wird nach wie vor als chauvinistische Kriegswaffe genutzt, um die Ehre des Staates/der Familie und des Mannes anzugreifen. Dies wird als systematisches Mittel im Krieg eingesetzt. Erst seit 1996 gilt sexuelle Misshandlung im Krieg als Verbrechen.
Um die Übergriffe imperialistischer Besatzungsmächte und ihrer Unterstützer_innen auf Frauen zu sehen, genügt es, unseren Blick nach Şengal in Südkurdistan und auf die Massaker an Frauen, die von der faschistischen Regierung in der Ukraine begangen werden, zu wenden.
Ein aktuelles Beispiel dieser Kriegspolitik ist der Massenmord an der ezidischen kurdischen Bevölkerung in Shengal (Südkurdistan/Irak) im August vergangenen Jahres. 5000 Frauen und Kinder wurden von Truppen der IS entführt, versklavt, vergewaltigt und ermordet.
Auch in der Ukraine wird systematische Gewalt gegen Frauen als ein Mittel der Kriegsführung angewendet. Nach Angaben des Premiers der selbsternannten „Donezker Volksrepublik“ (DVR), Alexander Sachartschenko wurde im November im Kriegsgebiet ein Massengrab mit knapp 300 Frauenleichen mit Vergewaltigungsspuren entdeckt. Die USA und die EU, die hinter der reaktionären Regierung stehen schweigen bislang zu dieser Entdeckung.
Obwohl Vergewaltigung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, ist das internationale Recht gegen Vergewaltigungen und andere sexualisierte Gewaltakten nicht gut genug gewappnet.
Vom Staat oder staatlichen Funktionsträgern wie etwa Polizeibeamten, Gefängniswärtern, Soldaten, Grenzbeamten oder Mitarbeitern der Einwanderungsbehörden wird Gewalt gegen Frauen ebenfalls in allen
Ländern ausgeübt oder geduldet: systematische Vergewaltigungen im Zuge bewaffneter Konflikte, Zwangssterilisationen, Folterungen in Haft, Gewalt gegen Flüchtlingsfrauen durch Amtsträger usw. finden tagtäglich statt und werden so gut wie nie verfolgt.

Gleiche politische und soziale Rechte für Flüchtlinge und Migrantinnen
Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen müssen ihre Heimat aus politischen, wirtschaftlichen oder aus Gründen der (sexualisierten) Gewalt gegen sie verlassen. Die Abschottungspolitik der EU verschlimmert ihre
Situation zusätzlich, da der Fluchtweg immer weiter erschwert wird und die bereits bestehenden Gefahren für Frauen damit erhöht werden. In Europa erleben Flüchtlingsfrauen rassistische Asyl- und Ausländergesetze, die Unterbringung in Lagern, Arbeitsverbote und gesellschaftlichen Rassismus. All dies zwingt sie zu einem Leben, das geprägt ist von Isolation, Diskriminierung, Ausbeutung und Gewalt.

Eine Gesellschaft, die die Frauen unterdrückt, kann niemals frei sein. Das kapitalistische System gewinnt ungemein an der klassischen Rolle der Frau durch unbezahlte Erziehungs- und Haushaltsarbeit, sowie massiven Einsatz im Niedriglohnsektor und die Betrachtung des Körpers der Frau als Ware. Wir können dieses System nur verändern, wenn wir unsere Kämpfe dagegen gemeinsam fortführen und in der Gesellschaft verankern. Frauen müssen nicht nur in frauenspezifischen Bereichen, sondern auch politische, ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Selbstbestimmung erlangen. Wir haben noch viel zu tun! Deswegen ist es notwendig, dass wir gemeinsam auf die Straße gehen. Wir sind stark wenn wir uns gemeinsam organisieren!

Politische und soziale Gleichberechtigung für Migrantinnen jetzt sofort!
Abschiebungen stoppen! Sichere Plätze für Flüchtlingsfrauen und -kinder!

Schluss mit der Gewalt an Frauen – überall!
Nein zu militaristischen Angriffen und der Besatzung des weiblichen Körpers in Kriegen!
Weg mit Imperialismus und Krieg!

Diese „typische“ Rollenverteilung ist kein Naturgesetz! Also, Schluss damit!

Her mit dem gleichen Lohn für gleiche Arbeit!
Ökonomische Gewalt und Demütigungen am Arbeitsplatz stoppen.

Sexualisierter Gewalt auf der Straße, zu Hause, in der Schule und am Arbeitsplatz aktiv ENTGEGENTRETEN!

Deshalb sagen wir: Hoch die internationale Solidarität!
Lasst uns unsere Kräfte vereinen…
… um Gewalt nicht als individuelles, sondern als ein von der patriarchalen Gesellschaft herrührendes Problem auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen…
… um Solidarität aufzubauen gegen jede Gewalt gegen Frauen!
… um eine starke Stimme zu haben, um die Verantwortlichen in Rechenschaft zu ziehen.
… um endlich das Patriarchat und den Kapitalismus abzuschaffen!
Frauen wehrt euch! International gemeinsam kämpfen!